The whole trip is, with some recommendations short English texts and some pictures also here:

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Zwillinge - wissen Astrologiebewanderte - sind die “da Vincis der Dilettanten”: kreativ, umtriebig, aber unfähig etwas zu Ende zu bringen. Mit diesem Wissen ausgestattet, freut man sich natürlich über jeden Leidensgenossen, den so etwas verbindet.

Wie das Leben so spielt, war Robert tatsächlich irgendwann mein Nachbar – wodurch sich unsere Wege in München kreuzten. In der Zwischenzeit ist er nach Dresden gezogen, was uns allerdings nicht davon abgehalten hat, 2013 zur Mille Miglia nach Italien zu fahren.

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Aufgrund der gelungenen Kombination aus Savoir vivre und automobiler Pilgerfahrt war klar, dass es nicht dabei bleiben würde. Daher wurde 2015 der Entschluss gefasst, dass auch Le Mans Pflicht ist. Da wir allerdings mehr Gefallen an den Formen alter Autos haben, kristallisierte sich schnell heraus, dass wir nicht das bekannte 24-Stunden-Rennen besuchen würden, welches seit 1923 ausgetragen wird, sondern “Le Mans Classic” unser Ding sein würde.

“Le Mans Classic” wird seit 2002 alle zwei Jahre ausgetragen und hat sich neben der Mille Miglia in Italien und dem Goodwood Revival in England als feste Größe im “vintage racing”-Kalender etabliert.

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Beim “Vintage racing” werden historische Rennwagen, die bei Auktionen zum Teil für zweistellige Millionenbeträge versteigert werden, auf die Rennstrecke geschickt, um das zu machen, wofür sie gebaut wurden: Rennfahren. So kann man die komplette Palette der schönsten Autos, die je gebaut wurden, live erleben. AC Cobra, Bentleys, Bugattis, Ferrari 250 GTO, Ford GT40, Jaguar D-Type, Maseratis, Porsches, etc*. Dabei ist auch die therapeutische Wirkung von feuerspuckenden, fauchenden, großvolumigen oder hochdrehenden Rennmotoren nicht zu unterschätzen.

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München - Le Mans ist eine Strecke von über 1000 Kilometern, die man mittlerweile eher mit dem Flieger als mit dem Auto zurücklegt. Für bekennende Autonarren liegt der Fall allerdings ein wenig anders. Zur Mille waren wir noch mit einem gemieteten Cabrio unterwegs, um aus dem fahrenden Auto heraus fotografieren zu können. Nach mehreren, zum Teil fragwürdigen Erlebnissen mit Autovermietern habe ich mich dazu entschlossen, doch ein eigenes Auto anzuschaffen. Die ursprüngliche Idee war ein Lada Rallyauto, die ich allerdings wieder verworfen habe, als ich realisierte, dass nicht ansatzweise absehbar ist, welche Probleme man damit kauft und wer sie beseitigen würde.

Die Suche nach ausreichend motorisierten, hinterradgetriebenen Fahrzeugen brachte mich zu Mercedes - die W201er-Reihe (190er) ist bei Kennern für ihr überragendes Fahrwerk bekannt.

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Schlussendlich ist es ein 76er Mercedes Benz SLC 280 geworden, ein Wagen, der mir seit jeher gut gefallen hat, aus Italien importiert, in einem nahezu rostfreien Zustand und 125000 Kilometer gelaufen ist. Mit dem Plan damit nach Le Mans zu reisen war die Zeit von April bis Juli fast ein wenig knapp um herauszufinden, ob der Wagen ausreichend gut in Schuss ist, um die Strecke problemlos zu bewältigen. Gekauft wurde der Wagen ohne TÜV, insofern gab es die ersten grauen Haare bereits auf dem Weg zur TÜV-Überprüfung, in der Hoffnung, dass der Wagen auch in den Augen der Prüfer bestehen würde. Von Klassik Stern in Putzbrunn aufbereitet, mussten lediglich ein paar Bremsleitungen erneuert werden und der Segen des TÜVs war in der Tasche.

Im Anschluss daran wurden zusätzlich alle Keilriemen ausgetauscht, die Radlager an der Vorderachse erneuert, sowie alle wichtigen Öle getauscht, um den Wagen langstreckentauglich zu machen. Die erste längere Fahrt nach Graz bestand der Wagen mit Bravur. Das Glück wurde lediglich durch die Heizung getrübt, da immer ein wenig warme Luft in den Innenraum geblasen wurde, was man zwar mit offenen Fenstern kompensieren konnte, auf langen Strecken aber doch anstrengend werden könnte.

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Mit reparierter Heizung habe ich noch einen Ventilator aus dem LKW Bedarf für die Hutablage eingebaut, um einfach ein wenig Luftbewegung im Innenraum zu haben. Original wäre der Wagen zwar mit einer Klimaanlage ausgestattet, die ich allerdings nicht aktivieren wollte, da ich gesundheitlich auf Klimaanlagen nicht gut reagiere.

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Derart ausgestattet, haben wir uns am 7. Juli 2016 um 9.30 Uhr getroffen, um um 10 Uhr losfahren zu können. Um 10.23 Uhr waren wir dann tatsächlich auf dem Weg nach Reims. Der Plan war in Reims ein sympathisches Hotel zu suchen, um am Abend das Halbfinalspiel Deutschland - Frankreich anzusehen. Von ein paar Zwischenstopps zum Snacken, Tanken und Fahrer wechseln abgesehen, kamen wir ohne Unterbrechungen nach Reims. Dort haben wir das erstbeste Hotel angesteuert, das uns sympathisch erschien, was allerdings ausgebucht war. Die Rezeptionistin hat uns dafür an ein anderes, nettes Hotel in der Nähe verwiesen, das wir selbst niemals gefunden hätten. Zwischenzeitlich hungrig, verwies uns dessen Rezeptionist wiederum an ein naheliegendes Restaurant, in dem wir sofort einen Platz bekommen haben. Tatsächlich haben wir die Plätze lediglich deswegen sofort bekommen, weil wir in unserer Unwissenheit den falschen Eingang benutzt haben und daher die Warteschlange geschickt umgangen haben.

Gedankt haben wir es, indem wir die Karte einmal rauf und runter bestellten - allen voran mit einem obligatorischen Glas Champagner.

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Umringt von Fernsehern, in Sichtweite waren rund zehn (!) Stück, konnten wir die Niederlage der deutschen Mannschaft bewundern, was uns allerdings nicht weiter gestört hat, weil einerseits das Essen fantastisch und das Spiel spannend war. Noch aufregender wurde es nach dem Spiel, als die Franzosen am gesamten Place Drouet d’Erlon euphorisch feierten. Es wurden Fahnen geschwenkt, bengalische Feuer angezündet und insgesamt herrschte eine großartige Stimmung. Am späteren Abend sahen wir noch eine ziemlich spektakuläre Lichtshow, bei der die imposante Kathedrale von Le Mans mit Beamern beleuchtet und das ganze musikalisch untermalt wurde.

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Leicht verkatert warfen wir am nächsten Tag den Benz an, der uns problemlos durch den Stau auf der Südumfahrung von Paris nach Le Mans brachte. Angekommen, nahmen wir die Schlüssel für unsere air bnb Wohnung in Empfang, machten uns frisch und steuerten ins Abenteuer der Le Mans Classic.

Ziemlich bald war klar, dass da 1. WIRKLICH viele alte Autos unterwegs sind, 2. viele Engländer umherrschwirren und 3. ungefähr alle sportlichen Autos auffahren, die je gebaut wurden. Nach den

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Ausflügen nach England und Italien waren wir vor allem auch neugierig auf die französischen Oldtimer, die hierzulande recht rar sind, von diversen 2CV abgesehen. Französische Klassiker gab es in Le Mans reichlich: alte und neue Renault Alpine, Citroens in allen Ausführungen, unter anderem eine erstaunliche Menge des Citroen SM, ein Oberklasse-Sportcoupe, das in einer Kooperation von Citroen und Maserati in den 70ern entstand. Ein Automobil, das großartig anzusehen ist, wenngleich die Technik… naja... Dennoch hat der Wagen den Spitznamen “Sa Majesté” (seine Majestät).

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Von der Anzahl seltener Besucherfahrzeuge fast überwältigt, gab uns das Paddock mit den alten Rennwagen endgültig den Rest. Glücklicher Weise fanden wir ein kleines Bistro für die Rennkommissare, wo wir die Aufregung mit Champagner und einem überragendem Blick auf die Zielgerade verdauten.

Am späteren Abend, zurück in Le Mans, mussten wir feststellen, dass französische Küchenzeiten auch am Wochenende streng bemessen sind. Auch am nächsten Tag gestaltete es sich fast schwierig, außerhalb der Rennstrecke am frühen Nachmittag etwas zu bekommen. Darum merke: Fährst du nach Frankreich - iss zwischen 12 und 14 Uhr bzw. 19 und 22 Uhr, denn davor oder danach ist die Küche geschlossen. Eine weitere wichtige Feststellung ist, dass es in Frankreich zwar wohl eine lange Biertradition gibt, aber Bier im Verhältnis zu anderen Getränken relativ teuer verkauft wird - besonders entlang der Rennstrecke, wo ein halber Liter Bier für € 9.- verkauft wird. Insofern haben wir uns das Rennkommissar - Bistro gelobt, denn da kostete das Glas Champagner lediglich € 5.-!

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Am Samstag waren wir relativ früh - um 10.30 Uhr - an der Rennstrecke, wo wir die Paddocks ausführlicher erwanderten und außerdem ein Großteil der angereisten Autoclubs in Augenschein nahmen. Fürs Protokoll: Da standen rund 10 Jensen Interceptor, 20 de Tomaso, 20 Facel Vega, 50 Ford GT40, 60 Cobras, 100 Caterhams - Fahrzeuge, die im normalen Straßenverkehr so gut wie nie vorkommen, weil sie genauso rar wie schön sind. Jaguars, Ferraris, Porsches und Triumphs lohnten sich nicht zu zählen – es gab einfach zu viele!

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Von der Herumlauferei genervt, beschlossen wir irgendwann, dass wir vorerst genug gesehen hatten und überteuertes Fastfood entlang der Strecke nicht das ist, wofür wir nach Frankreich gekommen sind, zumal die Stadt Le Mans unheimlich schön ist. Mit ein bisschen Glück fanden wir noch ein sehr schönes Restaurant am Hauptplatz, welches an das Kino angeschlossen war, wo wir selbst um 14.30 Uhr einen gutes Mittagessen bekamen. Am Nachmittag wechselten wir Savoir vivre mit Kultur ab und besichtigten die Kathedrale von Le Mans und die Altstadt zwischen diverser Gläser Champagner.

Dabei realisierten wir, dass der Event der Le Mans Classic eigentlich nur einen kleinen Teil von vier Kilometern der Rennstrecke abdeckt, während die gesamte Strecke 13,5 Kilometer lang ist. Daher beschlossen wir, uns am Abend auf die Suche nach einem Platz zu machen, wo wir das Rennen verfolgen bzw. die Rennwagen in ihrem Element fotografieren könnten. Wo ein Wille, da ein Weg, fanden wir einen eher inoffiziellen Zugang zu einem der Campingplätze, von wo wir einen guten Blick auf die Strecke hatten. Umso später der Abend, erkannten wir auch zunehmend, worin der eigentlich Reiz von Le Mans besteht. Bier und Wein trinkend versammeln sich viele entlang der Strecke und sehen den vorbeidonnernden Rennwagen zu. Zu unserem Glück hatten wir bei unserem Besuch perfektes Wetter, ein nicht unerheblicher Faktor bei einem 24-Stunden-Rennen, bei dem es darum geht, innerhalb dieser Zeit eine möglichst große Distanz zurückzulegen. Das waren immerhin bereits 1953 über 4000 Kilometer, was einem Durchschnitt (!) von 170 km/h entspricht.

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Je später es wurde, umso spannender wurden unsere Fotos wegen der längeren Belichtungszeit. Gleichzeitig realisierten wir aber auch, dass es für die Fahrer bestimmt nicht leicht ist, mit bis zu 300 km/h schnellen Rennwagen aus den 60ern in der Nacht Rennen zu fahren. Selbst wenn es bei den Classic-Rennen um keinen großartigen Preis geht, sind doch einige namenhafte Rennfahrer am Start, die das Rennfahren nicht verlernt haben. In diesem Jahr waren z.B. Andy Wallace, Jean Ragnotti, Emanuele Pirro, Jochen Mass und Marco Werner am Start, um nur ein paar zu nennen.

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Einigermaßen beeindruckt und mit den Fotoergebnissen zufrieden, verzichteten wir am Sonntag auf den Trubel und die Staus zur Rennstrecke und machten uns mit unserem Benz auf nach Chalon-en-Champagne, wo wir ursprünglich schon auf dem Hinweg halten wollten. Aufgrund des Staus auf dem Hinweg dachten wir, dass wir dieses Mal lieber über die Landstraße fahren sollten. Kurz gesagt: Best Idea ever! Einerseits sieht man bei der Reise über die Landstraße erheblich mehr, sonntags war es tatsächlich sehr angenehm zu fahren und insofern war die Reise nach Chalon relativ kurzweilig. Dort angekommen, quartierten wir uns im “Le Renard” ein, einem 3*-Hotel, dessen Einrichtung und Ausstattung manch 4*-Hotel in ein schlechteres Licht stellt. Nach der langen Fahrt bestellten wir erstmal den obligatorischen Champagner, um im Anschluss durch Chalon zu spazieren. Ich vermute, dass der Mensch, der den Satz: “Ein Leben wie Gott in Frankreich” prägte, möglicherweise in Chalon-en-Champagne verweilte, wo ich liebend gerne eine weitere Woche verbracht hätte.

Wichtig war für uns hingegen, dass an diesem Abend das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft Frankreich gegen Portugal stattfand. Beendet haben wir den Tag gegen 1.30 Uhr mit dem ruhigen Gewissen zur Deutsch-Französisch-Österreichischen Freundschaft beigetragen zu haben…

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Der nächste Morgen war dafür weniger glorreich, lagen doch 700 Kilometer nach München vor und eine kurze Nacht hinter uns. Da wir ursprünglich vorhatten, auch den Geburtsort von Bugatti zu besuchen, bogen wir unterwegs nach Molsheim ab, in der Hoffnung ein wenig von der legendären Marke sehen zu können. Zwar gibt es schon ein kleines “Museum” mit 2 ½ Fahrzeugen von Bugatti, doch besonders aufregend war es nicht… Leider habe ich erst in München realisiert, dass es in Mülhausen die “Collection Schlumpf” gegeben hätten, die von Wikipedia als größtes Automuseum der Welt bezeichnet wird und eine beeindruckende Bugattisammlung vorzeigen kann.

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Der Rückweg gestaltete sich eher ereignislos. Zu denken gab mir lediglich, dass wir in Molsheim den Reifendruck überprüft und um 0,2 Bar erhöht haben, was den Spritverbrauch um zwei Liter pro 100 Kilometer gesenkt hat! Ziemlich bemerkenswert für ein bisschen Luft, wenn man mich fragt.

In München angekommen, haben wir uns wie Sieger gefühlt, lagen doch 2300 Kilometer hinter uns - mit einem Mercedes, der älter ist als wir! Fest steht auf jeden Fall, dass ich noch weitere Roadtrips unternehmen werde, ist doch das Auto das Fortbewegungsmittel, das einem ermöglicht dahin zu kommen, wo es einem gefällt…

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*Für den Uneingeweihten überraschend ist die Tatsache, dass Mercedes Benz in Le Mans fast nicht vertreten ist, wo die Stuttgarter doch bei den meisten Rennveranstaltungen stark vertreten sind. Das liegt daran, dass Mercedes in Le Mans bis dato relativ viel Pech hatte. Allen voran war ein Mercedes 300 SLR bereits 1955 bei der größten Katastrophe der Motorsportgeschichte involviert und im Jahr 1999 gab es einen spektakulären Ausfall von einem Mercedes CLR, der sich infolge aerodynamischer Probleme mehrfach überschlug.

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